Waldkraft · Entscheidungsvorlage · Montag, 4. August 2026

Wohin die Million geht.

Langfassung zum Vergleich · die Kurzfassung liegt in story-wiederkauf.html

606.608 Bestellungen seit 2018 · 43 Monate GA4 · 16 Monate Google-Suche · alle 41 Klaviyo-Flows · das Meta-Konto

Die Ausgangslage. Wir haben über eine Million Fremdkapital für Marketing aufgenommen. Nicht zweckgebunden für Neukunden. Wir wussten, dass mit unserer Wiederkaufsrate etwas nicht stimmt, aber nicht, wie groß das Problem ist. Deshalb war auch nicht entscheidbar, ob das Geld in Neukunden oder in Bindung gehört.

Diese Analyse misst das Ausmaß. Sie beantwortet drei Fragen: Wie groß ist das Bindungsproblem wirklich? Woran liegt es? Und was folgt daraus für die Million?

Die kurze Antwort: Beides, aber in dieser Reihenfolge. Die Bindung ist der schnellere und billigere Hebel, der Neukundenkauf der größere. Und der große hängt am kleinen, weil ein gekaufter Kunde nur dann etwas wert ist, wenn er ein zweites Mal kauft. Deshalb zuerst die Mails, dann das Budget.

Wiederkauf im ersten Jahr 35,5 → 23,8 % Shop-Kunden, 2021 gegen 2025. Der Verfall kostet rund 62.000 € Deckungsbeitrag, jedes Jahr neu
Shop-Neukunden, Jan bis Jul −48,9 % 24.949 (2024) auf 12.756 (2026). Bis 2024 haben Marktplätze das aufgefangen, seit 2025 nicht mehr
Conversion Rate im Shop 4,92 % unverändert seit 2024. Der Branchenschnitt Gesundheit liegt bei 2,58 %

1 · Wie groß das Problem ist

Es gibt in dieser ganzen Analyse eine Zahl, die alles andere trägt: wie viele unserer Erstkäufer ein zweites Mal kaufen. An ihr hängt, was ein Neukunde wert ist, und damit auch, wie viel wir für einen ausgeben dürfen. Deshalb fangen wir dort an.

Von hundert Kunden, die 2021 zum ersten Mal in unserem Shop gekauft haben, kamen 36 innerhalb eines Jahres wieder. Von hundert Erstkäufern aus 2025 sind es noch 24. Ein Drittel unserer Bindung ist in vier Jahren verschwunden.

Wiederkaufsrate im ersten Jahr
Anteil der Erstkäufer im eigenen Shop, die innerhalb von 360 Tagen ein zweites Mal kaufen
Gezeigt ist nur der eigene Shop, weil das der Kanal ist, den Werbung bedient. Über alle Kanäle gerechnet fällt die Kurve steiler, aber sie vergleicht Äpfel mit Birnen: 2021 gab es noch keine Marktplätze.
Ein Teil davon ist Rechenkunst, der Rest ist echt. Marktplatzkunden binden schwächer als Shop-Kunden, und sie werden mehr. Allein diese Verschiebung erklärt ein gutes Drittel des Rückgangs bis 2024. Der Marktplatzkanal selbst ist über vier Jahre kein bisschen schlechter geworden, er ist nur größer geworden.

Was übrig bleibt, ist trotzdem echter Verfall im eigenen Shop. Und für Werbung zählt ohnehin nur der Shop: dort bringt ein Neukunde im ersten Jahr 45,27 Euro Deckungsbeitrag.

Was das in Euro heißt

Der Shop gewinnt zurzeit rund 20.800 Erstkäufer im Jahr. Wenn von hundert davon einer mehr ein zweites Mal kauft, sind das 208 Kunden, und die bringen rund 6.400 Euro Deckungsbeitrag. Verloren haben wir seit dem Jahrgang 2022 nicht einen Punkt, sondern knapp zehn.

Ein Prozentpunkt mehr Wiederkauf208 Kunden6.400 €
Verloren seit 2022: 9,65 Punkte2.007 Kunden62.000 €

Das ist die Antwort auf die Frage, wie groß das Problem ist: rund 62.000 Euro Deckungsbeitrag. Nicht einmalig, sondern in jedem Jahr aufs Neue, solange die Rate liegen bleibt, wo sie liegt. Und das ist die vorsichtige Rechnung.

Wie die 62.000 Euro gerechnet sind, und warum sie eher zu niedrig sind

Die Rechnung unterstellt, dass ein neu gewonnener Wiederkäufer genau einen zusätzlichen Kauf macht, zum heutigen Warenkorb von 46,50 Euro und unserer gemessenen Marge von 66,7 Prozent. Das sind 31 Euro Deckungsbeitrag je gerettetem Kunden.

Gemessen ist er eher mehr wert. Ein Kunde, der es beim zweiten Kauf belässt, kommt über seine Lebenszeit auf 92,56 Euro Umsatz statt der 39,21 Euro eines Einmalkäufers, also 53 Euro mehr statt der hier gerechneten 46,50. Bei derselben Marge wären das 36 statt 31 Euro Deckungsbeitrag. Wer sich wie ein durchschnittlicher Wiederkäufer verhält, liegt bei 175,83 Euro Umsatz. Wir rechnen bewusst mit dem niedrigsten der drei Werte, weil der zusätzlich Gewonnene der schwächste Wiederkäufer ist.

Basis: Shop-Kunden mit Erstkauf ab 2022, JTL, volle Lebenszeit.

2 · Es gibt genau eine Hürde, und sie liegt ganz vorn

Das nächste Bild zeigt, an welcher Stelle die Kunden abspringen. Die Antwort ist eindeutig, und sie macht die Sache einfacher, als sie aussieht. Gerechnet ist es jetzt über alle Jahrgänge zusammen und ohne Zeitgrenze, damit die Stufen vergleichbar sind: nach dem ersten Kauf folgt in 36 von hundert Fällen noch ein zweiter, nach dem zweiten in 56 von hundert ein dritter.

Die Wand zwischen Kauf 1 und Kauf 2
Wahrscheinlichkeit, dass auf den n-ten Kauf noch einer folgt
Die erste Hürde ist die einzige, die wirklich weh tut. Wer sie nimmt, bleibt fast sicher, und mit jedem weiteren Kauf wird er sicherer. Jede Maßnahme, die nicht auf den Sprung von 1 auf 2 zielt, ist zweite Priorität.

3 · Was gut läuft, und das ist mehr als gedacht

Bevor wir über Probleme reden: der Erstkauf funktioniert. Er ist heute besser als 2022.

Erstkauf im eigenen Shop202220242026
Warenkorb45,29 €39,01 €46,50 €
Deckungsbeitrag28,20 €29,65 €31,00 €

Größerer Korb, höherer Deckungsbeitrag. Kein Preisproblem, kein Angebotsproblem, kein Sortimentsproblem am Einstieg. Der gesamte Wertverfall sitzt hinter dem ersten Kauf.

Ein Vorbehalt gehört dazu: der Deckungsbeitrag zählt nur Positionen mit gepflegtem Einkaufspreis, und diese Abdeckung ist seit 2025 von 94,7 auf 76,7 Prozent gefallen, vor allem bei PEA und Methylenblau. Deshalb steht das Nachpflegen der Einkaufspreise in Kapitel 9.

Und der Shop verkauft besser als die Branche

Weil die Frage kommen wird: Von hundert Besuchern kaufen bei uns knapp fünf. Das ist nicht schlechter geworden, und es ist deutlich über dem Marktniveau.

Conversion Rate, Käufe je Sitzung
Waldkraft Jan bis Jul 20244,92 %
Waldkraft Jan bis Jul 20254,87 %
Waldkraft Jan bis Jul 20264,92 %
Branchenschnitt Gesundheit und Wellness (Juni 2026)2,58 %
Gute Supplement-Shops, Erfahrungswert4 bis 6 %
Wie die Kaufquote gerechnet ist, falls jemand nachfragt

Wir rechnen Käufe geteilt durch Sitzungen im eigenen Shop und nehmen den Affiliate-Traffic heraus, weil der bei 0,23 Prozent Kaufquote lag und den Wert nach unten verzerrt hätte. Rechnet man ihn mit, liest man 4,51 Prozent für 2024 und 4,75 für 2026. Dieser Anstieg ist ein reines Rechenartefakt und keine Verbesserung. Die ehrliche Aussage lautet: unverändert bei knapp fünf Prozent.

Branchenwert: IRP Commerce, Markt Health and Wellbeing, Juni 2026. Der Erfahrungswert für gute Supplement-Shops ist eine Einordnung aus Marktberichten, keine Messung an unseren Daten.

4 · Vier Erklärungen, die wir ausschließen können

Bevor wir eine Ursache benennen, hier das, was es nachweislich nicht ist. Jede Zeile ist gegen die Rohdaten gerechnet.

VermutungGeprüftUrteil
Wir verkaufen heute andere ProdukteBeim Produktmix von 2021 läge die Rate rund einen Prozentpunkt höher, nicht neunnein
Wir zählen Kunden falschE-Mail statt Kundennummer ändert 6 von 278.757 Fällennein
Der Erstkauf ist schlechter gewordenWarenkorb und Deckungsbeitrag je Erstkauf steigen, siehe Kapitel 3nein
Der Shop konvertiert schlechter4,92 % (2024) auf 4,92 % (2026), Warenkorb 13,9 Prozent höhernein
Es ist ein Messfehler in GA4Ereignisse je Sitzung stabil bei 9 bis 11, kein Ereignistyp fällt weg, der Abfall zieht sich über zehn Wochen. Und JTL zeigt denselben Einbruch aus einem System, das GA4 nicht kenntnein
Die Wiederkäufe finden auf Amazon stattMarktplatz-Mailadressen sind pseudonymisiert, das ist strukturell nicht messbaroffen

5 · Es kommen halb so viele Leute

Das ist die zweite große Bewegung neben der Bindung. Sie war lange verdeckt, weil die Marktplätze den Rückgang aufgefangen haben. Seit einem Jahr tun sie das nicht mehr.

Neukunden Januar bis Juli, nach Kanal
Gleiche Definition, gleiche Monate, keine Hochrechnung
eigener Shop Amazon übrige Marktplätze
Der eigene Shop hat die Hälfte verloren, von 24.949 auf 12.756 Erstkäufer. Bis 2024 haben die Marktplätze das ausgeglichen, deshalb sah die Gesamtzahl stabil aus. Seit 2025 gleichen sie nicht mehr aus: die Gesamtzahl fällt von 33.135 auf 28.583. Marktplätze bringen inzwischen mehr Neukunden als der Shop und werden von keinem Werbebudget bedient.
Eine Zahl aus diesem Bild gehört ausgesprochen, bevor sie jemand anders findet. Der Shop hat seit 2024 12.193 Erstkäufer verloren. Amazon hat im selben Zeitraum 11.822 gewonnen. Das sind 97 Prozent. Und über volle zwölf Monate gerechnet ist die Neukundenzahl der Firma praktisch unverändert: 49.319 im Jahr bis Juli 2025, 49.686 im Jahr bis Juli 2026.

Ob das dieselben Menschen sind, können wir nicht messen, weil Amazon uns die Adressen pseudonymisiert. Die Größenordnung passt aber fast auf den Kunden genau, und Amazon ist im August 2024 gestartet.

Was das für die Million bedeutet, wenn es stimmt: Wir hätten kein Mengenproblem, sondern ein Margenproblem. Ein Kunde, der über Amazon kommt, bringt 20,41 Euro statt 45,27 Deckungsbeitrag. Gekaufte Reichweite würde dann nicht neue Kunden holen, sondern vorhandene zurück auf den teureren Kanal. Das ist die Hypothese H3 in Kapitel 8, und sie ist die unangenehmste der vier.

Der Grund für den Rückgang im eigenen Shop steht im nächsten Bild: es kommen schlicht viel weniger Besucher.

Sitzungen im Shop, Monat für Monat
GA4 seit Januar 2023 · hell abgesetzt: Traffic von Affiliate (adcell) · Linie: Conversion Rate ohne Affiliate
Die Linie fällt nicht, sie steigt sogar leicht. Was fehlt, sind nicht Kaufwillige, sondern Besucher. Der auffällige Absturz im Mai 2025 hat eine eigene Erklärung, und die entlastet uns zum Teil.
Zuerst die Entlastung. Im Mai 2025 ist der Traffic aus dem Affiliate-Traffic von adcell um 86 Prozent eingebrochen, von 45.524 auf 6.551 Sitzungen. Dieser Traffic war fast nichts wert:
Affiliate (adcell), Jan bis JulSitzungenKäufeUmsatzKaufquote
2024111.01326813.758 €0,24 %
2025192.2321.47872.616 €0,77 %
202655.6071.55371.410 €2,79 %
Heute bringt derselbe Kanal mit der Hälfte der Sitzungen sechsmal so viele Käufe wie 2024. Was wegfiel, war Traffic ohne Kaufabsicht. Das war eine Bereinigung, kein Verlust.
Aber es sind zwei Einbrüche, nicht einer. Rechnet man Affiliate heraus, ist der Traffic im Mai 2025 sogar gestiegen, von 125.001 auf 134.135 Sitzungen. Erst im Juni fällt er um 37.017, und dafür haben wir bis heute keine Erklärung. Derselbe Monatsübergang in anderen Jahren: 2023 minus 0,8 Prozent, 2024 plus 12,7 Prozent, 2025 minus 27,6 Prozent. Diese Frage steht in Kapitel 9 und gehört heute auf den Tisch.
Woher der Verlust kommt, Jan bis Jul 2024 auf 202620242026verlorenAnteil
Direct, also ohne erkennbare Herkunft467.688189.541−278.14749,6 %
Bezahlte Suche318.629239.483−79.14614,1 %
Affiliate (adcell)109.99543.059−66.93611,9 %
Organische Suche119.60967.793−51.8169,2 %
E-Mail86.48859.414−27.0744,8 %
Verweise von anderen Seiten68.86150.812−18.0493,2 %
übrige Kanäle82.51043.072−39.4387,0 %
gesamt1.253.780693.174−560.606100 %
Die Hälfte des Verlusts hat keinen Namen. Direct sind Besucher ohne erkennbare Herkunft, also getippte Adressen, Lesezeichen, App-Klicks, nicht getaggte Links.

Und es sind nicht die Wiederkehrer. Das war die naheliegende Erklärung, deshalb haben wir sie geprüft: 63 Prozent der Direct-Sitzungen 2024 waren neue Nutzer. Neue und wiederkehrende Besucher sind gleich stark gefallen (minus 45,6 gegen minus 49,0 Prozent), der Anteil der Wiederkehrer liegt unverändert bei rund 35 Prozent. Das Bindungsproblem ist real, aber es steht in JTL und Klaviyo, nicht hier.

Die organische Suche, mit Preisschild

Von allen Verlustzweigen ist das der einzige, den wir in Euro beziffern können.

Organische Suche, Jan bis Jul202420252026
Sitzungen120.720103.47966.930
Umsatz310.395 €295.252 €174.537 €
gegenüber dem VorjahresmonatJanuar −34,0 %, Juli −44,5 %

136.000 Euro Umsatz in sieben Monaten, und der Rückgang vertieft sich von Monat zu Monat.

Warum wir seltener gefunden werden

Die Google-Suchdaten zeigen etwas, das auf den ersten Blick nicht zusammenpasst. Unsere durchschnittliche Position ist besser geworden, und trotzdem werden wir viel seltener angezeigt.

Google-Suche, je drei MonateFrühjahr 2025Sommer 2026
Klicks42.31723.259−45,0 %
Impressionen, also wie oft wir überhaupt erscheinen2.602.8651.579.019−39,3 %
Klickrate1,63 %1,47 %−0,16 Punkte
Durchschnittliche Position13,29,5besser
Die Auflösung, und sie ist unangenehm. Der Durchschnitt sieht nur deshalb besser aus, weil die schlechten Begriffe ganz aus der Statistik gefallen sind. Wer auf Platz 30 stand, sammelte viele Impressionen und keine Klicks. Fällt er raus, steigt der Schnitt.

Der größte einzelne Verlust ist unser eigener Name. Die Suchbegriffe mit „waldkraft" verlieren 5.461 Klicks, also fast ein Drittel des gesamten Klickverlusts, und zwar von Position 1 aus. Auf Platz eins kann Ranking nichts erklären. Es suchen schlicht weniger Leute nach uns.

Das erklärt zugleich den Direct-Einbruch, der oben noch ohne Ursache dastand. Wer die Marke nicht mehr im Kopf hat, tippt die Adresse auch nicht mehr ein. Aus zwei Rätseln wird eine Erklärung: Wir verlieren Bekanntheit. Und Bekanntheit ist genau das, was gekaufte Reichweite wieder aufbaut.

Lohnt sich dann gezieltes SEO?

Die Frage stellt sich sofort, wenn man diese Zahlen sieht, deshalb hier die Antwort. Sie lautet ja, aber nur für eine Sorte von Suchbegriffen. Am eigenen PEA-Sortiment sieht man beide Sorten nebeneinander.

SuchbegriffKlicks 2025Klicks 2026Position
pea, der breite Begriff605146,2 → 12,4
palmitoylethanolamid2509,6 → weg
pea kapseln25506,2 → 3,9
pea für hunde25485,6 → 3,9

Dasselbe Muster zieht sich durchs ganze Sortiment. Die breiten Einwortbegriffe verlieren wir an andere Quellen, die spezifischen gewinnen wir. „mönchspfeffer hund", „löwenzahnwurzelextrakt" und „drachenblut" stehen heute besser als vor einem Jahr. Genau dort funktioniert gezieltes SEO.

Und jetzt die Größenordnung, damit niemand zu viel erwartet. 188 unserer Suchbegriffe ohne Markennamen gibt es in beiden Zeiträumen.
188 Suchbegriffe ohne MarkennamenAnzahlKlicks je Quartal
Position gehalten1054.605 → 3.815
Position verloren, hier liegt der Topf835.088 → 1.906
Die verlorenen Begriffe kosten uns rund 12.700 Klicks im Jahr. Ein Teil davon geht aber auf weniger Nachfrage und nicht auf die Position, denn auch die gehaltenen Begriffe verlieren Klicks. Bleiben rund 9.000 Klicks, die wirklich am Ranking hängen. Ein Klick aus der Google-Suche bringt bei uns 1,71 Euro Umsatz. Der Topf ist damit rund 15.000 Euro Umsatz, also gut 10.000 Euro Deckungsbeitrag im Jahr, und den holt man nie vollständig zurück.

Dazu ein Dämpfer. Selbst dort, wo wir die Position gehalten haben, sind die Klicks um 17 Prozent gefallen. Gutes Ranking allein bringt heute weniger Besucher als vor einem Jahr, weil Google zunehmend selbst antwortet.

Unterm Strich: gezieltes SEO auf Topseller und spezifische Suchbegriffe lohnt sich, aber es ist langsam und klein. Ein halber Tag im Monat, kein Ersatz für gekaufte Reichweite und keine Antwort auf die Frage, wohin die Million geht.

6 · Warum sie nicht wiederkommen: unsere eigenen Mails

Jetzt zum Kern. Nach dem ersten Kauf bekommt jeder Kunde drei Mails. Sie sind der einzige automatische Kontakt, den wir mit ihm haben, und sie sind das Schwächste im ganzen Konto.

Was jede einzelne Mail einbringt
Umsatz je Empfänger · die zwölf Mails mit der größten Reichweite, letzte zwölf Monate
Orange sind die drei Post-Purchase-Mails. Sie gehen an rund 24.000 Erstkäufer im Jahr, das ist die größte Reichweite im Konto, und stehen ganz unten: 19 Cent je Sendung. Die beste Willkommensmail bringt 13,44 Euro.

Wo wir die meisten Adressen verlieren

Das ist die Kehrseite. Diese Mails kosten uns nicht nur Umsatz, sie kosten uns die Kunden ganz.

Abmeldungen im JahrEmpfängerAbmeldungen
Post-Purchase Tag 15, „Meine persönliche Empfehlung"22.184521
Post-Purchase Tag 1, „Genieße deine exklusiven Vorteile"24.088456
Post-Purchase Tag 17, „Ein Geschenk für dich"22.757378
Sunset-Flow, der soll abmelden20.448233

Die drei Post-Purchase-Mails belegen die ersten drei Plätze und verantworten zusammen 1.355 der 2.109 Abmeldungen aus allen Flows. Sie melden mehr Leute ab als der Flow, dessen einzige Aufgabe genau das ist. Fairerweise: gemessen an der Rate ist die Warenkorbabbruch-Mail schlechter, aber die erreicht 1.478 Menschen und nicht 22.000.

Die drei Post-Purchase-Texte im Original, gekürzt

Tag 1 · Betreff: „😍 Deine Bestellung, genieße deine exklusiven Vorteile"
„Wir sind unglaublich stolz und freuen uns sehr darüber, dass du nun unsere Waldkraft-Community bereicherst. Aus diesem Grund haben wir noch einige hilfreiche Tipps für dich: 1. Gesundheitsberatung … 2. Produkt- und Kundenberatung … 3. Werde Teil unserer WhatsApp-Familie …"
Diagnose: Ein Service-Verzeichnis mit siebzehn Links. Kein Wort zu dem Produkt, das gerade gekauft wurde. 69 Prozent öffnen diese Mail, das ist der beste Moment, den wir haben, und wir verschenken ihn.

Tag 15 · Betreff: „💚 Meine persönliche Empfehlung für dich"
„Wir hoffen, du bist mit deiner Bestellung zufrieden? … Eine Empfehlung die von Herzen kommt. Zwei unterschiedliche Produkte … Lungenkraut-Kapseln … Bor, ein essentielles basisches Spurenelement …"
Diagnose: Die „persönliche Empfehlung" ist für alle dieselbe und fest verdrahtet: Lungenkraut und Borax, unabhängig davon, was der Kunde gekauft hat. Borax ist die Produktgruppe, die am schlechtesten bindet: 23 Prozent, siehe Kapitel 7. Wir empfehlen dem frisch gewonnenen Kunden ausgerechnet das Produkt, das ihn am seltensten zurückbringt. Diese Mail hat die meisten Abmeldungen im ganzen Konto.

Tag 17 · Betreff: „🎉 Ein Geschenk für dich!"
„Als kleines Geschenk möchten wir dich gleich weiter auf deinem Weg begleiten: Sichere dir 10 % Rabatt auf deinen nächsten Einkauf mit dem Code: wald10"
Diagnose: Der Rabatt hat kein Ablaufdatum und keinen Bezug zum gekauften Produkt. Zwei Tage nach der Empfehlungsmail bekommt derselbe Kunde die dritte Mail in siebzehn Tagen.

Und danach kommt siebzig Tage lang nichts

Das nächste Bild zeigt, wann der zweite Kauf tatsächlich passiert, und wann wir schreiben. Die beiden passen nicht zusammen.

Wann der zweite Kauf kommt, und wann wir schreiben
Zweitkäufe nach Tagen seit dem Erstkauf, verglichen mit unseren automatischen Mails
Die Post-Purchase-Strecke endet an Tag 17. Danach läuft bis Tag 90 keine einzige automatische Mail. In genau diesem Fenster fallen 16.819 Zweitkäufe, ohne dass wir etwas dazu beitragen.

Rechnet man die Tage 91 bis 180 dazu, liegen 71,5 Prozent aller Zweitkäufe des ersten Halbjahres außerhalb jeder Strecke. Die Spitze der Zweitkäufe liegt bei Tag 15 bis 30 mit 400 Kunden pro Tag, die Masse zwischen Tag 30 und 180.

Der Winback sollte an Tag 90 greifen. Er greift nicht. Der Flow DE-Winback-WB steht seit dem 23. September 2025 auf live und hat in zwölf Monaten keine einzige Mail verschickt. Er taucht in keinem der Auswertungsberichte auf. Sein Vorgänger hat im selben Zeitraum noch 18.293 Mails und 19.882 Euro gebracht und steht heute auf draft.

Wir haben also aktuell überhaupt keine Rückholung. Und selbst wenn er liefe, wäre Tag 90 zu spät: bis dahin haben die meisten Zweitkäufer längst gekauft oder nicht.

Wie viel wir dabei liegen lassen

Erst der Blick von oben. Automatische Mails machen bei uns 3,2 Prozent der Sendungen und 27 Prozent des E-Mail-Umsatzes. Der Newsletter macht den Rest.

Letzte zwölf MonateSendungenUmsatzje Sendung
Automatische Mails (41 Flows)227.129308.225 €1,36 €
Newsletter (171 Kampagnen)6.811.038828.282 €0,12 €

Eine automatische Mail verdient bei uns das Elffache einer Newsletter-Mail. Wir verschicken davon 30-mal weniger. Genau dort liegt das Potenzial.

Was möglich wäreUmsatz je Jahr
Winback wieder anwerfen
belegt, das hat der alte Winback gebracht
+19.900 €
Post-Purchase auf unsere beste eigene Post-Purchase-Mail heben
von 19 auf 30 Cent je Sendung
+7.600 €
Die Lücke Tag 31 bis 90 schließen+2.900 €
Summe, belegbarrund 30.000 €
Und die Wette obendrauf: Post-Purchase auf 0,50 bis 1,00 € je Sendung
dafür gibt es in unseren Daten keinen Beleg, nur die Diagnose der Texte
+21.400 bis 55.900 €

Belegbar bleiben rund 20.000 Euro Deckungsbeitrag, mit der Wette bis zu 52.000. Dafür ist in beiden Fällen kein Euro Werbebudget nötig, nur Arbeitszeit.

Wie die drei Posten gerechnet sind

Post-Purchase reparieren: 69.029 Sendungen an rund 24.000 Erstkäufer, heute 19 Cent je Sendung. Der faire Anker ist die eigene Familie, und die läuft zwischen 11 und 30 Cent. Der belegbare Posten ist deshalb der Sprung auf 30 Cent, also auf unsere beste eigene Post-Purchase-Mail. Für 0,50 bis 1,00 Euro gibt es in unseren Daten keinen Anker, nur die Diagnose der Texte, deshalb steht das getrennt als Wette. Warenkorbabbruch (3,33) und Willkommen (10,26) sind keine Vergleichswerte, die fangen jemanden vor dem Kauf ab.

Winback: genau das, was der alte Winback im letzten Zwölfmonatsfenster gebracht hat, nämlich 18.293 Sendungen und 19.882 Euro. Wie viele Einmalkäufer darüber hinaus erreichbar sind, gibt Klaviyo nicht heraus.

Lücke Tag 31 bis 90: die 16.819 Zweitkäufe in diesem Fenster sind kumulativ seit 2022 über 183.301 Kunden. Auf einen Jahrgang von 20.800 Erstkäufern gerechnet sind das 1.900 Zweitkäufe, bei 5 Prozent Verbesserung und 30 Euro Deckungsbeitrag also 2.900 Euro.

Deckungsbeitrag: gerechnet mit unserer gemessenen Erstkaufmarge von 66,7 Prozent, also 31,00 von 46,50 Euro.

Zwei Dinge dazu, und sie ziehen in verschiedene Richtungen.

Nach unten: Klaviyo ordnet Umsatz nach dem letzten Klick zu. Ein Teil davon wäre auch ohne die Mail entstanden. Das sind zugeordnete Umsätze, keine zusätzlichen. Nur eine Kontrollgruppe misst den echten Beitrag, deshalb steht bei jeder Maßnahme eine.

Nach oben: die Rechnung zählt nur den zweiten Kauf, und da hört die Geschichte nicht auf. Gemessen bringt ein Kunde, der nie wiederkommt, über seine Lebenszeit 39 Euro. Wer ein zweites Mal kauft und dann aufhört, bringt 93 Euro. Der durchschnittliche Wiederkäufer bringt 176 Euro. Ein geretteter Zweitkauf ist nicht einen Kauf wert, er ist der Anfang einer Kette. Wo der neu Gewonnene in dieser Kette landet, wissen wir vorher nicht, deshalb steht oben durchgängig der niedrigste Wert. Beide Zahlen oben sind damit eher zu niedrig als zu hoch.

Was in Klaviyo möglich wäre, aber nicht läuft

Der Hebel ist nicht, etwas Neues zu bauen. Es ist gebaut, es läuft nur nicht.
Was da istZustandWas es könnte
DE-ReplenishmentReminderdraft seit 15. Juni24 Schritte, nach Packungsreichweite getaktet. Deckt genau das Fenster Tag 18 bis 90 ab, in dem heute nichts läuft. Allerdings nur für vier Artikel
De-ReplenishmentReminderKategoriendraft seit 1. JuliDieselbe Idee über Kategorien statt Einzelartikel. Das ist die Fassung mit Reichweite
DE-Winback-WBlive, sendet nichtsRückholung ab Tag 90. Trigger prüfen, dann vorziehen
19 weitere Flowsdraft oder manual22 laufen, 19 nicht. Der Hebel ist nicht Aufbau, sondern Inbetriebnahme

Und ein Schaden, der gerade läuft

Beim Nachrechnen ist etwas aufgefallen, das nicht in dieser Analyse geplant war. Vier Flows stehen auf live und senden seit rund vier Wochen fast nichts.

Flow (steht auf live)erwartet in 30 TagentatsächlichAnteil
Warenkorbabbruch Neukunde22263 %
Warenkorbabbruch Bestandskunde4005814 %
In den Warenkorb gelegt56311821 %
Produkt angesehen44525056 %
zum Vergleich, alle Flows nach einer Bestellung60 bis 92 %
Alle vier hängen an Ereignissen aus dem Shop selbst, alle Bestell-Flows laufen normal. Das sieht nach einem abgerissenen Shop-Ereignis aus, nicht nach einem Klaviyo-Problem.

Das kostet uns gerade Geld, während wir hier sitzen. Die Warenkorbabbruch-Mails gehören zu den wenigen Flows, die wirklich verdienen. Prüfung: zehn Minuten in Klaviyo unter Analytics. Wenn es stimmt, ist es ein Ticket an die Shop-Entwicklung und gehört mit einem Namen in Kapitel 9.

Der eigentliche Punkt dahinter: niemand schaut regelmäßig nach, was die 41 Flows tatsächlich tun. Der tote Winback und diese vier Flows sind derselbe blinde Fleck. Ein Nachmittag Bestandsaufnahme ist vermutlich der billigste Hebel im ganzen Konto.

7 · Welche Produkte Kunden zurückbringen

Wenn wir in den Mails etwas empfehlen, sollten wir wissen, welcher Einstieg Kunden bindet und welcher nicht. Das nächste Bild zeigt beides nebeneinander: wie viele Kunden über eine Produktgruppe zu uns kommen, und wie viele davon im ersten Jahr ein zweites Mal kaufen.

Türöffner und Wiederkauf-Motoren
Balken: wie viele Kunden über diese Gruppe einsteigen · rechts: wie viele davon im ersten Jahr wiederkommen
Unsere beiden größten Türöffner binden am schlechtesten. CDL und Borax holen zusammen 47.686 Erstkäufer, kommen aber nur auf 29 und 23 Prozent. Arthridea, Vitalpilze und Antioxidantien binden deutlich besser, holen aber viel weniger Kunden.

Und wohin sie beim zweiten Mal gehen

Diese Frage stand bisher offen, weil die Zahl fehlte. Sie ist jetzt gerechnet, aus denselben JTL-Daten, über 58.146 der 58.830 Kunden mit einem zweiten Kauf.

Erstkauf warbleibt in der Gruppewechselt am ehesten zuWert Kauf 2 in der Gruppe
CDL48 %Borax, DMSO, Basis-Vitamine42 €
Borax29 %CDL, Basis-Vitamine, PEA42 €
PEA70 %CDL, Borax63 €
Arthridea / Gelenk63 %PEA, Darm64 €

Zwei Dinge stehen da drin, und beide ändern etwas an den Mails.

Erstens: vier von zehn Zweitkäufen bleiben in derselben Produktgruppe. Bisher stand in unseren Unterlagen, 80 Prozent kaufen etwas anderes. Das war auf Artikelnummern gerechnet, und dort ist ein Nachfüllpack schon ein anderes Produkt. Auf Produktgruppen gerechnet bleiben vier von zehn in der Gruppe. Die Nachbestell-Erinnerung, die seit Juni auf draft steht, trifft also doppelt so viele Kunden wie gedacht.

Zweitens: es kommt darauf an, wohin der zweite Kauf geht. Ein zweiter Kauf in CDL oder Borax bringt rund 42 Euro, einer in den Basis-Vitaminen rund 62, einer bei Gelenk rund 66 und einer in den Antioxidantien rund 68. Und dorthin gehen die Leute von allein gerade nicht. Wer die Gruppe wechselt, landet am häufigsten wieder bei CDL oder Borax, also von der einen billigen Gruppe in die andere. Genau dafür wäre eine Empfehlungsmail da. Was die Tag-15-Mail heute stattdessen jedem empfiehlt, ist Borax. Schlechter bindet im Bild oben nur noch die Gruppe Bücher, und die verkaufen wir nicht als Kur.

8 · Was wir vermuten, aber nicht wissen

Vier Hypothesen, die wir nicht belegen können. Sie stehen hier, damit klar ist, wo die Analyse endet.

#HypotheseWomit prüfbarWas es hieße
H1Die Mails sind die Ursache. Der Post-Purchase-Flow verbrennt seit 2024 unverändert Kunden, und die Rückholung sendet gar nichtÖffnungs-, Klick- und Abmeldekurve seit 2022 aus KlaviyoDann ist es in Tagen reparabel, nicht in Quartalen
H2Die Zielgruppe ist eine andere geworden, seit Marktplätze wachsenWarenkorb und Produktmix der Erstkäufer im ZeitverlaufDann hilft keine Mail, dann muss der Einstieg anders aussehen
H3Die Kunden kaufen weiter, nur woandersNicht messbar, Marktplatzadressen sind pseudonymisiertDann kaufen wir mit Werbung Marge statt Menge
H4Set-Angebote bremsen den Wiederkauf, weil sie den Jahresbedarf liefernDerselbe Artikel als Set gegen einzeln, im selben JahrgangDann kostet unser eigenes Merchandising Bindung

9 · Was wir heute klären müssen

Acht Fragen. Die vier oberen kosten zusammen ein bis zwei Arbeitstage und verschieben Kernzahlen dieser Vorlage. Jede braucht heute einen Namen.

FrageWoherAufwand
Was ist im Juni 2025 ausgelaufen? Ohne Affiliate gerechnet fehlen in diesem einen Monat 37.017 Sitzungen, und niemand weiß warum. Kampagne beendet? Kooperation gekündigt? Newsletter-Rhythmus geändert? Vertrag ausgelaufen? Shop-Umbau?Telefonate1 Std
Was ist ein Neukunde nach Vollkosten wert? Versand, Zahlung, Retouren, PersonalBWA1 Nachmittag
Einkaufspreise für PEA und Methylenblau nachpflegenStammdatenStunden
Können wir gekaufte Kunden in JTL wiederfinden?Trackingoffen
Warum senden vier Warenkorb-Flows seit vier Wochen fast nichts? Verdacht: ein abgerissenes Ereignis aus dem ShopKlaviyo, dann Shop10 Min prüfen
Warum kommen aus den kostenlosen Google-Shopping-Einträgen fast keine Besucher mehr? 2.559 Sitzungen im Vorjahr, jetzt 199. Klein in absoluten Zahlen, riecht aber nach einem kaputten ProduktfeedMerchant Center1 Std
Was tun die 41 Klaviyo-Flows wirklich? Niemand schaut regelmäßig nachKlaviyo1 Nachmittag
War 2021 und 2022 überhaupt normal? Bindung der Jahrgänge 2018 bis 2020JTL, liegt vor1 Abfrage
Eine dieser Fragen ist ein echter Blocker. Die Kampagnenfelder in JTL sind über vier Jahre zu null Prozent gefüllt. Wir können heute nicht messen, was ein über Werbung gekaufter Kunde tatsächlich wert ist. Für die Entscheidung heute brauchen wir das nicht, dazu mehr in Kapitel 11. Für die Auswertung danach schon.

10 · Zwei Schalter heute, zwei Umbauten in zwei Wochen

Das hier kann sofort laufen. Die beiden Schalter sind in zwei Stunden erledigt, die beiden Umbauten brauchen zwei bis drei Wochen, und danach 90 Tage, bis man die Wirkung messen kann. Zusammen setzen sie die Zahl, an der die ganze Investitionsrechnung hängt.

Heute

Die Tag-15-Mail abschalten

22.184 Empfänger, 992 Euro Umsatz, 521 Abmeldungen. Fünf Minuten Arbeit, kein Risiko. Danach neu schreiben, mit Bezug auf das gekaufte Produkt.

Heute

Klären, warum der Winback nichts sendet

Ein Flow auf live, der in zwölf Monaten keine Mail verschickt hat. Dieselbe Frage betrifft vermutlich das Replenishment, weil es derselbe Trigger-Typ ist.

Diese Woche

Replenishment scharf schalten, mit Kontrollgruppe

Fertig gebaut, steht seit Juni auf draft. Beide Fassungen ansehen, die nach Kategorien hat mehr Reichweite. Mit einer Kontrollgruppe von 10 Prozent, die die Mail bewusst nicht bekommt. Sonst ist die Wirkung hinterher nicht belegbar.

Nächste zwei Wochen

Die Tag-1-Mail neu schreiben

69 Prozent öffnen sie. Statt einem Verzeichnis mit siebzehn Links: wie wende ich an, was ich gerade gekauft habe? Das adressiert den häufigsten Abbruchgrund, nämlich „ich hab's probiert, es hat nichts gebracht".

Für alle vier gilt dieselbe Regel: Kontrollgruppe von Anfang an, mindestens 10 Prozent. Ohne sie messen wir die Saison und die Kanalverschiebung mit, und beide bewegen sich gerade stark. Genau diese Aussage ist später die Grundlage für die Freigabe der zweiten Tranche.

11 · Die Entscheidung

Die Frage: Über eine Million für Marketing, und bisher keine Entscheidung, ob sie in Neukunden oder in Bindung gehört.

Die Antwort: beides, in dieser Reihenfolge. Die vier Reparaturen aus Kapitel 10 zuerst, weil sie unter einem Tag kosten und den Faktor setzen, an dem die Rendite der Million hängt. Dann Neukunden einkaufen, gestaffelt. Und dabei bei 30 Euro je Kunde, nicht bei 45.

Die beiden Hebel nebeneinander

Hier ist die Rechnung, die die Ausgangsfrage beantwortet.

Hebelbringt (DB)kostetbleibt nettoWie sicher
Mails reparieren
Post-Purchase, Winback, Replenishment
20.000 bis 52.000 € rund 0 € 20.000 bis 52.000 € Untere Zahl belegt, obere eine Wette. Kein Kapitaleinsatz
Den Nachlauf-Faktor reparieren
von 1,11 Richtung 1,367
+50.000 € auf Stufe 1 rund 0 € +50.000 €
255.000 bis 410.000 € auf die volle Million
Der Faktor ist gemessen. Ob er umkehrbar ist, ist nicht belegt
Neukunden einkaufen
die Lücke von 19.850, über zwei Jahre
997.000 € 560.000 bis 904.000 € +94.000 bis +437.000 € Je nachdem, wie viele der gekauften Käufe echte Erstkäufer sind. Bei 62 Prozent bleibt fast nichts

Netto liegen die beiden Hebel näher beieinander, als es zuerst aussieht, denn für den Neukundenkauf binden wir bis zu 904.000 Euro Kapital und tragen das Risiko, für die Mails keinen Euro. Die untere Zahl der Mails ist belegt, die obere ist eine Wette. Die Reihenfolge ist trotzdem keine Geschmacksfrage: Wer die Million ausgibt, bevor der zweite Kauf funktioniert, kauft Kunden, die einmal kaufen und dann verschwinden.

Zwei Zahlen fehlen in dieser Tabelle und gehören in die Sitzung.

Der Kapitaldienst. Wir zahlen Zinsen auf die Million, unabhängig davon, ob wir sie einsetzen. Bei acht Prozent wären das 80.000 Euro im Jahr, also mehr als der gesamte Mail-Hebel. Den genauen Satz kennt nur die Geschäftsführung, er gehört aber in jede Zeile dieser Rechnung.

Der Rest der Million. Die Rampe unten verplant 430.000 Euro über sieben Monate. Für die restlichen 570.000 gibt es bewusst noch keinen Plan, und den soll es erst geben, wenn die Messschwelle zweimal gehalten hat.

Warum nicht 45 Euro

Ein Kunde bringt nicht alles im ersten Jahr. Der Jahrgang 2022 legte im zweiten Jahr noch 37 Prozent auf seinen Deckungsbeitrag drauf, beim Jahrgang 2024 waren es 20 Prozent. Diesen Nachschlag nennen wir hier den Nachlauf. Er entscheidet, ob sich ein gekaufter Kunde rechnet, und er fällt seit vier Jahrgängen.

Was ein Jahrgang im zweiten Jahr noch nachlegt
Deckungsbeitrag nach zwei Jahren geteilt durch Deckungsbeitrag nach einem Jahr · nur Kunden, die volle 720 Tage alt sind
Das ist kein Niveau, das ist ein Trend. Drei Jahrgänge in Folge fällt er um denselben Betrag. Für den Jahrgang, den die Million kaufen würde, landet die Fortschreibung bei rund 1,11. Das zweite Jahr legt dann noch fünf Euro je Kunde nach statt sechzehn.
Fortgeschrieben wird der Überschuss über 1,0, nicht die Gerade, weil der Faktor rechnerisch nie unter 1,0 fallen kann. 1,03 ist die Untergrenze. Shop-only ergibt dieselbe Reihe.
Was das zweite Jahr beiträgt, je gekauftem Kundenje Kundeauf 120.000 €
Untergrenze, lineare Fortschreibung (1,03)+1,36 €+5.800 €
Trend läuft weiter (1,11), der erwartete Fall+4,98 €+21.200 €
Stillstand auf heutigem Niveau (1,200)+9,05 €+38.500 €
Reparatur auf das Niveau von 2022 (1,367)+16,61 €+70.600 €

Der Abstand zwischen der zweiten und der letzten Zeile ist der Grund, warum die Retention-Reparaturen zuerst laufen. Auf derselben Tranche sind das knapp 50.000 Euro Unterschied, für Arbeit, die unter einem Tag kostet.

Was ein Kauf heute kostet

Kosten je Kauf aus kalter Reichweite, Meta 2026
Segment „prospecting", also Menschen ohne vorherigen Kontakt zur Marke · gestrichelt: Zielkorridor 30 Euro und Stopplinie 35 Euro
Im Schnitt 28,23 Euro für 3.048 Käufe aus 86.041 Euro Budget. Darin steckt der Juli mit 42,92 Euro, und der ist noch nicht fertig gezählt, weil Meta Käufe bis zu sieben Tage nach dem Anzeigenkontakt dazurechnet. Ohne Juli sind es 26,19 Euro. Wir rechnen bewusst mit der höheren Zahl.
Die Rechnung
Kalt gekaufter Kauf, Mai und Juni20,84 bis 26,82 €
Shop-Neukunde, Deckungsbeitrag im ersten Jahr45,27 €
abzüglich Vollkosten für Versand, Zahlung, Retouren, Personalnicht gemessen
Zielkorridorunter 30 €
Stopplinie35 € keine Erhöhung, 45 € Stopp
Zwei Vorbehalte, beide in dieselbe Richtung. Metas Segment „prospecting" heißt nur „nicht als Bestandskunde erkannt", ein Amazon-Kunde landet dort. Und die Käufe sind attribuiert, überwiegend nach dem bloßen Sehen einer Anzeige. Der echte Preis liegt über 28,23 Euro. Damit die Rechnung bei 45 Euro noch aufginge, müssten mindestens 62 Prozent dieser Käufe echte Erstkäufer sein.

Zum Vergleich: Wer über Amazon zu uns kommt, bringt 20,41 Euro statt 45,27 Deckungsbeitrag. Fremd eingekaufte Kunden sind weniger wert als selbst gewonnene.

Der Test, den wir noch nicht gemacht haben

Das hier ist die unangenehmste Tabelle der Präsentation, und sie gehört auf den Tisch, bevor jemand anders sie findet.

2026Meta beanspruchtShop-Neukunden (JTL)VorjahresmonatVerhältnis
Januar422.4853.14579,0 %
Februar2491.9352.98564,8 %
März2932.1692.98472,7 %
April5361.6222.17074,8 %
Mai9841.6673.29550,6 %
Juni8641.3792.17263,5 %
Juli3711.5012.12870,5 %

2026 sind bereits 94.856 Euro in Meta geflossen, im Vorjahr waren es 1.478, also mehr als das 60-fache. Die Shop-Neukunden sind im selben Zeitraum um 32 Prozent gefallen. Wenn Meta zusätzliche Neukunden brächte, müsste das Verhältnis zum Vorjahr mit steigendem Budget steigen. Es schwankt zwischen 51 und 79 Prozent ohne erkennbaren Trend, und im Monat mit den meisten beanspruchten Käufen war es am niedrigsten.

Was das heißt und was nicht. Es heißt nicht, dass Meta nicht funktioniert. Der Rest des Geschäfts ist gleichzeitig stark gefallen, Meta könnte also einen Teil aufgefangen haben. Rechnerisch ginge das nur, wenn der Rest um 79 Prozent in fünf Monaten eingebrochen wäre, und so schnell fällt in unseren Daten sonst nichts.

Es heißt: für die 28,23 Euro gibt es bis heute keinen unabhängigen Beleg. Sie sind Metas eigene Zahl, und die einzige Zahl außerhalb von Metas Dashboard zeigt keinen Effekt.

Deshalb ist die erste Stufe der Kauf einer Messung

Der gute Teil daran: für diese Entscheidung brauchen wir die Zuordnung einzelner Bestellungen gar nicht. Der Effekt wäre groß genug, um in der Gesamtzahl zu stehen.

Shop-Neukunden 2026, Basislinie1.823 je Monat, normale Schwankung ±395
Stufe 1 mit 40.000 Euro im Monat, bei 28,23 Euro je KaufMeta beansprucht 1.417 Käufe
Wären die zusätzlich, müsste JTL zeigenrund 3.240 je Monat
Die Schwelle, die wir setzen2.415 je Monat

Die Schwelle ist die Basislinie plus das Anderthalbfache der normalen Monatsschwankung. Sie ist in einem einzigen Monat sichtbar, braucht keine Tracking-Reparatur und lässt sich nicht schönrechnen. Wird sie im zweiten Monat nicht erreicht, wird Stufe 2 nicht freigegeben.

Eine Sache müssen wir heute festlegen, sonst streiten wir im November darüber. Die 2.415 sind ein fester Pegel gegen eine Reihe, die fällt und die Saison hat. Läuft Stufe 1 im Herbst, liegen die Monate ohnehin rund 20 Prozent unter einem Januar bis Juli. Dann kann Meta liefern und die Schwelle wird trotzdem gerissen. Umgekehrt liegt der Januar 36 Prozent über dem Schnitt.

Deshalb gehört ins Protokoll, wogegen gemessen wird, am besten gegen den Vorjahresmonat mit dem gleitenden Jahresfaktor der letzten drei Monate. Und der Testmonat gehört heute benannt. Sonst misst die erste Stufe die Jahreszeit.

Was die Lücke wert ist

Shop-Neukunden Jan bis Jul 202424.949
Shop-Neukunden Jan bis Jul 202612.756
Lücke auf zwölf Monaterund 19.850 Neukunden
Wert pro Jahr, bei 45,27 € bis 59,03 € je Kunde900.000 bis 1.170.000 € Deckungsbeitrag
Kosten, sie bei heutigem Preis zu schließenrund 560.000 €, bei 62 % echten Erstkäufern 900.000 €
Was das Warten kostetrund 75.000 € Deckungsbeitrag im Monat

Die Lücke zu schließen hieße, die Shop-Neukundenzahl zu verdoppeln. Das ist nicht eine Randannahme, das ist die zentrale Annahme, und genau sie prüft die erste Stufe.

Warum eine Rampe und kein Sprung

Stufe 1 sind drei Monate zu je 40.000 Euro, also genau die 120.000 aus dem Beschluss. Entschieden wird trotzdem früher, nämlich nach 40.000 Euro Ausgaben, damit ein schlechter Verlauf nicht noch zwei Monate weiterläuft.

Zur Einordnung: Kalte Reichweite läuft heute bei rund 20.000 Euro im Monat. Eine Million auf zwölf Monate wären 83.333, also das Vierfache. Der einzige starke Hochlauf im eigenen Konto ging schief: von Februar auf März 2026 wurde das Budget verdreifacht, und März wurde mit 39,97 Euro der teuerste Monat.

StufeDauerKalte Reichweite je MonatSummeFreigabe der nächsten Stufe
1Monat 1 bis 340.000 €120.000 €JTL-Shop-Neukunden über 2.415 im Monat, und Preis je Kauf unter 30 Euro
2Monat 4 bis 565.000 €130.000 €Schwelle gehalten und die vier Vorarbeiten geschlossen
3Monat 6 bis 790.000 €180.000 €Schwelle gehalten
Ohne das hier bricht Stufe 2. Bei 65.000 Euro im Monat und 28 Euro je Kauf wären das 2.300 Käufe im Monat allein aus Meta. Der ganze Shop hatte im Juli 4.375 Käufe, davon 1.501 von Neukunden. Und der Preis je Kauf schwankt bei gleichem Budget um den Faktor 2,4, getrieben vom Creative: drei Launches derselben Bildfamilie liefen mit einem Umsatz je eingesetztem Euro von 3,10, dann 1,47, dann null. Creative-Produktion braucht eine eigene Beschlusszeile mit Budget, Durchsatzziel und einem Namen.

Was schiefgehen kann

SzenarioPreis je KaufNachlaufWert je Kunde, 2 JahreRückfluss, wenn alle Käufe Neukunden sindRückfluss bei 62 %
gut22 €1,2054,32 €+176.300 €+63.700 €
erwartet28 €1,1150,25 €+95.400 €+13.500 €
schlecht35 €1,0547,53 €+43.000 €−19.000 €
Abbruch45 €1,0547,53 €+6.800 €−41.400 €
alles zugleich schief
35 € je Kauf, 65 % Erstkäufer, 12 € Vollkosten
35 €1,0535,53 €
nach Vollkosten
−40.800 € bei 2.229 Kunden

Alle Zeilen vor Vollkosten, außer der letzten. Die sind nicht gemessen, siehe Kapitel 9. Der reale Verlust der ersten Stufe ist nicht das Geld, sondern die Zeit, nämlich 90 Tage, in denen die organische Suche weiter fällt. Nicht zu starten kostet sicher. Zu starten kostet nur mit einer Wahrscheinlichkeit.

Der Beschluss, den wir heute brauchen:

1 · Die vier Retention-Reparaturen starten heute. Zusammen unter einem Tag. Sie setzen den Nachlauf-Faktor, und der entscheidet über die halbe Rendite der ganzen Million.

2 · Freigabe von 120.000 Euro für Stufe 1, ausdrücklich als Kauf einer Messung. Das entscheidende Gate ist nicht Metas Dashboard, sondern die JTL-Neukundenzahl: über 2.415 im Monat, sonst keine Stufe 2. Zusätzlich Zielkorridor 30 Euro je Kauf, über 35 keine Erhöhung, über 45 Stopp. Entschieden wird nach 40.000 Euro Ausgaben, nicht nach Kalender.

3 · Vier Vorarbeiten bekommen heute einen Namen und ein Datum. Ohne das ist die Reihenfolge nur eine Absichtserklärung.

VorarbeitWerbis wann
Vollkosten je Bestellung aus der BWAzu benennen
Einkaufspreise PEA und Methylenblauzu benennen
Meta-Bestellungen in JTL wiederfindbar machenzu benennen
Was ist im Juni 2025 ausgelaufen?zu benennen
Creative-Produktion, Budget und Durchsatzzielzu benennen
Quellen, Methodik und was diese Analyse nicht kann

JTL Wawi (eazybusiness), read-only: 606.608 Bestellungen seit 2018, Mandant Alveda, Endkunden, bezahlt, nicht storniert. Der Erstkauf wird über die volle Historie bestimmt, nicht innerhalb des Auswertungsfensters. Alle Werte für ein Jahr nur für Kohorten, die 360 Tage alt sind, alle Zweijahreswerte nur für 720 Tage.

GA4, Property 318150275, 43 Monate. Conversion Rates sind durchgängig selbst gerechnet als Käufe geteilt durch Sitzungen. GA4s eigene Metrik zählt jedes Schlüsselereignis und meldet 96 Prozent, sie ist für diese Frage unbrauchbar. Kanalzahlen aus dem rohen Medium, nicht aus der Kanalgruppe, weil die 2025 umklassifiziert wurde.

Google Search Console, Domain-Property, 16 Monate ab April 2025. Weiter zurück gibt Google die Daten nicht heraus.

Klaviyo, read-only: alle 41 Flows, ihre Schritte und Texte, 171 Kampagnen, Auswertungen über zwölf und über dreißig Tage.

Meta, Konto 333616857288490 über den offiziellen Zugang, nur lesend. Kalte Reichweite ist Metas eigenes Segment „prospecting".

Was diese Analyse nicht kann. Meta ist in GA4 praktisch unsichtbar, 7.927 Sitzungen und 49 Käufe stehen 5.030 Käufen gegenüber, die Meta für sich verbucht. Der Verkehr läuft über Landingpage-Subdomains, die diese Property nicht misst, also gibt es keine unabhängige Gegenprobe zum Preis je Kauf. Auf Marktplätzen ist Wiederkauf strukturell nicht messbar, weil 95,6 Prozent der Amazon- und 99,5 Prozent der Mirakl-Adressen pseudonymisiert sind. Der Deckungsbeitrag misst zum Teil unsere eigene Stammdatenpflege: er zählt nur Positionen mit gepflegtem Einkaufspreis, und die Abdeckung ist 2025 von 94,7 auf 76,7 Prozent gefallen.

Qualitätssicherung. Sieben Prüfrunden, zuletzt zwei Runden mit zusammen dreizehn Prüfern: sechs Nachrechner, die Rollen Geschäftsführer und Marketing-Leiter, und eine Prüfung ohne Raster. Siebzehn eigene Fehler gefunden und behoben, davon fünf, die eine Aussage im Vorzeichen gedreht hätten. Jeder Prüferfund wurde vor der Übernahme selbst gegen die Rohdaten nachgerechnet, weil in einer früheren Runde zwei Prüferbehauptungen falsch waren.