Waldkraft · Entscheidungsvorlage · Montag, 4. August 2026

Wohin die Million geht.

Was wir verlieren, woran es liegt, und was ein Kunde kosten darf

Wir wissen, dass wir Umsatz verlieren. Wir wussten nicht, woher. Und wir hatten den Verdacht, dass unsere Wiederkaufsrate zu niedrig ist, ohne zu wissen, wie schlimm.

Beides ist jetzt gemessen. Wir verlieren an zwei Stellen: es kommen halb so viele Neukunden, und von denen bleiben weniger. Die zweite Stelle ist die teurere, denn ein gekaufter Neukunde ist nur so viel wert wie sein zweiter Kauf.

Daraus folgt die Reihenfolge für die Million: erst die Bindung reparieren, dann Neukunden kaufen. Und dabei 30 Euro je Kauf zahlen, nicht 45.

Neukunden im eigenen Shop −48,9 % 24.949 auf 12.756, Januar bis Juli 2024 gegen 2026
Von hundert kommen wieder 36 → 24 von hundert Erstkäufern, Jahrgang 2021 gegen 2025. Allein der Verfall seit 2022 kostet 62.000 € Deckungsbeitrag, jedes Jahr neu
Ein Kauf aus kalter Reichweite 28,23 € Meta 2026. Ein Shop-Neukunde bringt im ersten Jahr 45,27 € Deckungsbeitrag

1 · Woher der Umsatz fehlt

Es sind zwei Löcher, nicht eines. Das erste sieht jeder, das zweite hat bisher niemand beziffert.

Erstens: es kommen halb so viele

Neukunden Januar bis Juli, nach Kanal
Gleiche Definition, gleiche Monate, keine Hochrechnung
eigener Shop Amazon übrige Marktplätze
Der eigene Shop hat die Hälfte verloren, von 24.949 auf 12.756 Erstkäufer. Bis 2024 haben die Marktplätze das ausgeglichen, seit 2025 nicht mehr. Marktplätze bringen inzwischen mehr Neukunden als der Shop und werden von keinem Werbebudget bedient.
Eine Zahl aus diesem Bild gehört ausgesprochen, bevor sie jemand anders findet. Der Shop hat seit 2024 12.193 Erstkäufer verloren. Amazon hat im selben Zeitraum 11.822 gewonnen, deckt den Verlust also zu 97 Prozent. Unterm Strich fehlen der Firma trotzdem 4.552 Neukunden, weil die übrigen Marktplätze gleichzeitig kleiner werden.

Ob das dieselben Menschen sind, können wir nicht messen, weil Amazon uns die Adressen pseudonymisiert. Wenn ja, hätten wir kein Mengenproblem, sondern ein Margenproblem: ein Kunde, der über Amazon zu uns kommt, bringt im ersten Jahr 20,41 Euro Deckungsbeitrag statt 45,27. Gekaufte Reichweite würde dann nicht neue Kunden holen, sondern vorhandene zurück auf den teureren Kanal.

Zweitens: von denen, die kommen, bleiben weniger

Wiederkaufsrate im ersten Jahr
Anteil der Erstkäufer im eigenen Shop, die innerhalb von 360 Tagen ein zweites Mal kaufen
Von hundert Kunden, die 2021 zum ersten Mal bei uns gekauft haben, kamen 36 wieder. Vom Jahrgang 2025 sind es noch 24. Ein Drittel unserer Bindung ist in vier Jahren verschwunden.

Und was ist mit Google?

Die Frage nach SEO kommt sowieso, deshalb hier die Antwort. Wir ranken heute besser als vor einem Jahr, Position 13,2 auf 9,5, und werden trotzdem 39 Prozent seltener angezeigt. Bei den breiten Begriffen antwortet Google zunehmend selbst, bei konkreten Produktsuchen stehen wir weiter vorn. Gefallen sind die Klicks aber auch dort.

Google-Klicks, Quartal gegen Quartalvorherheute
Verloren: die breiten Begriffe. „pea" allein60514
Verloren: unser eigener Name. „waldkraft"3.7641.341
Gewonnen: die konkreten. „pea kapseln"2550
Gewonnen: „pea für hunde"2548
Was uns das kostet, und was davon zurückzuholen ist. Der organische Umsatz fällt um 136.000 Euro in sieben Monaten. Über SEO davon adressierbar: rund 15.000 Euro im Jahr, nämlich die 83 Begriffe ohne Markennamen, bei denen wir Position verloren haben.

Der große Rest ist kein SEO-Problem. Der größte Einzelposten ist unser eigener Name, und den verlieren wir von Position 1 aus, gleich zweimal: es suchen ein Drittel weniger Leute nach uns, und von denen klicken nur noch 10,6 statt 18,8 Prozent. Die eine Hälfte ist Bekanntheit, die holt Reichweite zurück. Die andere Hälfte ist, dass weniger Leute klicken, obwohl wir auf Platz eins stehen. Naheliegend ist, was Google inzwischen über dem Ergebnis anzeigt. Beweisen können wir das nicht, und mit SEO ist es in keinem Fall zu beheben.

Unterm Strich: gezieltes SEO auf konkrete Produktbegriffe lohnt sich, ist aber ein halber Tag im Monat und kein Rettungsanker.

Und die kostenlosen Google-Shopping-Einträge sind ausgefallen

Kurz, weil es ein kleiner Posten ist. Das bezahlte Shopping läuft bestens und hat sich im Umsatz vervierfacht. Ausgefallen sind nur die kostenlosen Einträge über den Produktfeed: im März 2026 hatte der Kanal vier Sitzungen. Das ist kein Rückgang, das ist ein Ausfall.

Geld ist wenig dahinter, rund 4.000 Euro Umsatz im Jahr. Auf den ersten Blick sieht es nach mehr aus, weil 2025 auf 15.540 Euro kommt. Davon fallen aber 14.228 Euro in einen einzigen Monat, den Februar 2025. Als Maßstab taugt der nicht. Trotzdem eine Stunde im Merchant Center wert, weil es genau so lange dauert.

Woher genau die Besucher fehlen, falls die Frage kommt

Der Shop hatte Januar bis Juli 2024 noch 1,25 Millionen Sitzungen, 2026 sind es 693.000. Die Hälfte des Verlusts hat keinen Namen: „Direct", also Besucher ohne erkennbare Herkunft, verliert 278.147 Sitzungen. Und es sind nicht die Wiederkehrer: 63 Prozent der Direct-Sitzungen 2024 waren neue Nutzer, und neue wie wiederkehrende sind gleich stark gefallen.

Sitzungen, Jan bis Jul20242026Anteil am Verlust
Direct, ohne erkennbare Herkunft467.688189.54149,6 %
Bezahlte Suche318.629239.48314,1 %
Affiliate (adcell)109.99543.05911,9 %
Organische Suche119.60967.7939,2 %
E-Mail86.48859.4144,8 %
Verweise von anderen Seiten68.86150.8123,2 %
übrige Kanäle82.51043.0727,0 %

Der Affiliate-Einbruch ist eine Entlastung, kein Verlust. Über alle Wege gerechnet brachte adcell 2024 111.013 Sitzungen und 268 Käufe, heute 55.607 Sitzungen und 1.553 Käufe mit 71.410 Euro. Also halb so viele Besucher und sechsmal so viele Käufe. Was wegfiel, war Traffic ohne Kaufabsicht. Die Zeile in der Tabelle oben zählt enger, nämlich nur das GA4-Medium „affiliate"; adcell läuft seit Ende 2025 teilweise unter „Verweise".

Zu den Zahlen hinter dem Google-Abschnitt oben: von 252 Suchbegriffen, die es in beiden Zeiträumen gibt, sind 188 ohne Markennamen. Davon haben 105 die Position gehalten (Klicks 4.605 auf 3.815) und 83 sie verloren (5.088 auf 1.906). Selbst dort, wo wir die Position gehalten haben, sind die Klicks um 17 Prozent gefallen, deshalb rechnen wir nur rund 9.000 der 12.700 verlorenen Klicks dem Ranking zu. Ein Klick aus der Google-Suche brachte 2026 im Schnitt 1,71 Euro Umsatz (126.411 Euro auf 74.000 Klicks).

Sitzungen im Shop, Monat für Monat
GA4 seit Januar 2023 · hell abgesetzt: Affiliate · Linie: Kaufquote ohne Affiliate
Die Kaufquote fällt nicht. Sie liegt Jahr für Jahr bei knapp fünf Prozent, 4,92 in 2024 und 4,92 in 2026. Was fehlt, sind nicht Kaufwillige, sondern Besucher.

2 · Das zweite Loch ist das teurere

Weniger Besucher kann man mit Geld beheben. Eine kaputte Bindung nicht, und sie entwertet jeden Kunden, den wir kaufen. Deshalb steht sie hier vor dem Budget.

Was der Bindungsverfall kostet

Der Shop gewinnt zurzeit rund 20.800 Erstkäufer im Jahr. Wenn von hundert davon einer mehr ein zweites Mal kauft, sind das 208 Kunden und rund 6.400 Euro Deckungsbeitrag. Verloren haben wir seit 2022 nicht einen Punkt, sondern knapp zehn.

Ein Prozentpunkt mehr Wiederkauf208 Kunden6.400 €
Verloren seit 2022: 9,65 Punkte2.007 Kunden62.000 €

Rund 62.000 Euro Deckungsbeitrag. Nicht einmalig, sondern in jedem Jahr aufs Neue, solange die Rate liegen bleibt, wo sie liegt.

Und warum ein Neukunde ohne zweiten Kauf fast nichts wert ist

Das ist die Zahl, an der die ganze Investitionsrechnung hängt.

Ein Shop-Kunde bringt über seine LebenszeitUmsatz
wenn er genau einmal kauft39 €
wenn er ein zweites Mal kauft und dann aufhört93 €
wenn er sich wie ein durchschnittlicher Wiederkäufer verhält176 €

Der zweite Kauf verdoppelt den Kundenwert. Und danach wird es leichter, nicht schwerer.

Die Wand zwischen Kauf 1 und Kauf 2
Wahrscheinlichkeit, dass auf den n-ten Kauf noch einer folgt
Die erste Hürde ist die höchste, und danach wird jede weitere niedriger. Von 36 auf 56, 66, 71 Prozent. Jede Maßnahme, die nicht auf den Sprung von 1 auf 2 zielt, ist zweite Priorität.
Damit ist die Ausgangsfrage beantwortet. Von diesen Umsätzen bleiben uns gut zwei Drittel als Deckungsbeitrag. Ein Kunde, der nur einmal kauft, bringt uns also rund 26 Euro. Wer ein zweites Mal kauft, bringt 62. Ein gekaufter Kauf kostet uns bei Meta 28 Euro, und wie viele dieser Käufe überhaupt neue Kunden sind, ist die Streitfrage aus Kapitel 4.

Beide Lesarten führen zum selben Schluss: Neukunden kaufen lohnt sich nur, wenn der zweite Kauf funktioniert. Die Bindung entscheidet, ob die Million eine Investition ist oder eine Ausgabe.

3 · Woran es liegt: unsere eigenen Mails

Nach dem ersten Kauf bekommt jeder Kunde drei Mails. Sie sind der einzige automatische Kontakt, den wir mit ihm haben, und sie sind das Schwächste im ganzen Konto.

Was jede einzelne Mail einbringt
Umsatz je Empfänger · zwölf Flow-Mails im Vergleich, letzte zwölf Monate
Orange sind die drei Post-Purchase-Mails. Zusammen 69.029 Sendungen im Jahr, die größte Reichweite im Konto, und sie stehen ganz unten: 19 Cent je Sendung. Die beste Willkommensmail bringt 13,44 Euro.

Sie kosten uns nicht nur Umsatz, sie kosten uns die Kunden ganz. Die drei Mails verantworten 1.355 der 2.109 Abmeldungen aus allen Flows und belegen die ersten drei Plätze. Sie melden mehr Leute ab als der Flow, dessen einzige Aufgabe genau das ist.

Was in den drei Mails steht, und warum sie so schlecht laufen

Tag 1 · „😍 Deine Bestellung, genieße deine exklusiven Vorteile"
Ein Service-Verzeichnis mit siebzehn Links. Gesundheitsberatung, Terminbuchung, Telefonnummer, WhatsApp-Community. Kein Wort zu dem Produkt, das gerade gekauft wurde. 69 Prozent öffnen diese Mail. Das ist der beste Moment, den wir haben, und wir verschenken ihn.

Tag 15 · „💚 Meine persönliche Empfehlung für dich"
Die „persönliche Empfehlung" ist für alle dieselbe und fest verdrahtet: Lungenkraut und Borax, unabhängig davon, was der Kunde gekauft hat. Borax bindet von allen Verkaufsgruppen am schlechtesten, siehe unten. Diese Mail hat die meisten Abmeldungen im ganzen Konto.

Tag 17 · „🎉 Ein Geschenk für dich!"
10 Prozent Rabatt, ohne Ablaufdatum und ohne Bezug zum gekauften Produkt. Zwei Tage nach der Empfehlungsmail, die dritte Mail in siebzehn Tagen.

Zum Vergleich die Willkommensserie, die 10,26 Euro je Empfänger bringt: ein Angebot, dreimal, mit Ablaufdatum, alle Links an dieselbe Stelle.

Danach kommt zwei Monate lang nichts

Wann der zweite Kauf kommt, und wann wir schreiben
Zweitkäufe nach Tagen seit dem Erstkauf, verglichen mit unseren automatischen Mails
Die Post-Purchase-Strecke endet an Tag 17. Danach läuft bis Tag 90 keine einzige automatische Mail. Allein zwischen Tag 31 und Tag 90 fallen 16.819 Zweitkäufe, ohne dass wir etwas dazu beitragen.
Der Winback soll an Tag 90 greifen. Er greift nicht. Der Flow steht seit dem 23. September 2025 auf live und hat seitdem keine einzige Mail verschickt. Sein Vorgänger hat im letzten Zwölfmonatsfenster noch 19.882 Euro gebracht und steht heute auf draft. Wir haben aktuell überhaupt keine Rückholung.

Und vier weitere Flows stehen auf live und senden fast nichts: die Warenkorbabbruch-Mails liefern seit vier Wochen 3 bis 21 Prozent dessen, was sie liefern müssten. Genau die Flows, die mit 3,33 Euro je Empfänger wirklich verdienen. Das sieht nach einem abgerissenen Ereignis aus dem Shop aus. Zehn Minuten prüfen.

Und wir empfehlen das Falsche

Wenn wir in den Mails etwas empfehlen, sollten wir wissen, welcher Einstieg Kunden bindet. Das haben wir jetzt gemessen, über 58.146 Kunden mit einem zweiten Kauf.

Türöffner und Wiederkauf-Motoren
Balken: wie viele Kunden über diese Gruppe einsteigen · rechts: wie viele davon im ersten Jahr wiederkommen
Unsere beiden größten Türöffner binden nicht überdurchschnittlich, einer davon richtig schlecht. CDL und Borax holen zusammen 47.686 Erstkäufer. CDL liegt mit 29 Prozent genau im Schnitt, Borax ist mit 23 Prozent die zweitschlechteste Gruppe überhaupt.

Die Tag-15-Mail empfiehlt jedem Kunden ausgerechnet Borax. Und wohin die Leute tatsächlich gehen, wissen wir jetzt auch: wer die Produktgruppe wechselt, landet am häufigsten wieder bei CDL oder Borax, also von der einen billigen Gruppe in die andere. Ein zweiter Kauf dort bringt rund 42 Euro. Bei den meisten Einstiegsgruppen liegt die lohnendste Empfehlung dagegen bei Gelenk, Antioxidantien oder Basis-Vitaminen, und die bringen 59 bis 77 Euro.

Vier von zehn Zweitkäufen bleiben ohnehin in derselben Produktgruppe. Die Nachbestell-Erinnerung, die seit Juni fertig gebaut auf draft steht, trifft also doppelt so viele Kunden wie gedacht.

Was das zusammen wert ist

Was möglich wäreUmsatz je Jahr
Winback wieder anwerfen
belegt, das hat der alte Winback gebracht
+19.900 €
Post-Purchase auf das Niveau unseres besten Post-Purchase-Flows heben
von 19 auf 30 Cent je Sendung
+7.600 €
Die Lücke Tag 31 bis 90 schließen+2.900 €
Summe, belegbarrund 30.000 €
Und die Wette statt der 7.600: Post-Purchase auf 0,50 bis 1,00 € je Sendung
dafür gibt es in unseren Daten keinen Beleg, nur die Diagnose der Texte
+21.400 bis 55.900 €

Belegbar bleiben rund 20.000 Euro Deckungsbeitrag, mit der Wette bis zu 52.000. Dafür ist in beiden Fällen kein Euro Werbebudget nötig, nur Arbeitszeit.

So sind diese Zahlen zu lesen. Klaviyo ordnet Umsatz nach dem letzten Klick zu, ein Teil davon wäre auch ohne die Mail entstanden. Nur eine Kontrollgruppe misst den echten Beitrag, deshalb steht bei jeder Maßnahme eine.

Nach oben zeigt dagegen die Kette aus Kapitel 2: die Rechnung zählt nur den zweiten Kauf, nicht den dritten und vierten. Beide Zahlen sind eher zu niedrig als zu hoch.

4 · Was ein Kunde kostet und was er kosten darf

Jetzt die zweite Hälfte der Frage. Wir wollen Neukunden einkaufen, also müssen wir wissen, was sie kosten und was sie wert sind.

Kosten je Kauf aus kalter Reichweite, Meta 2026
Metas Segment „prospecting" · gestrichelt: Zielkorridor 30 Euro und Stopplinie 35 Euro
Im Schnitt 28,23 Euro. Darin steckt der Juli mit 42,92 Euro, und der ist noch nicht fertig gezählt. Ohne Juli sind es 26,19. Wir rechnen bewusst mit der höheren Zahl.
Zwei Vorbehalte, beide in dieselbe Richtung. „Prospecting" heißt nicht „ohne vorherigen Kontakt zur Marke", sondern nur „von Meta nicht als Bestandskunde erkannt", und ein Amazon-Kunde landet dort ebenfalls. Und die Käufe sind attribuiert, überwiegend nach dem bloßen Sehen einer Anzeige. Der echte Preis liegt über 28,23 Euro.
Kalt gekaufter Kauf, Mai und Juni20,84 bis 26,82 €
Shop-Neukunde, Deckungsbeitrag im ersten Jahr45,27 €
abzüglich Versand, Zahlung, Retouren, Personalnicht gemessen
Zielkorridorunter 30 €
Stopplinie35 € keine Erhöhung, 45 € Stopp

Warum nicht 45 Euro

Ein Kunde bringt nicht alles im ersten Jahr. Was er im zweiten Jahr noch nachlegt, nennen wir hier den Nachlauf. Er entscheidet, ob sich ein gekaufter Kunde rechnet, und er fällt.

Was ein Jahrgang im zweiten Jahr noch nachlegt
Deckungsbeitrag nach zwei Jahren geteilt durch Deckungsbeitrag nach einem Jahr
Das ist kein Niveau, das ist ein Trend. Für den Jahrgang, den die Million kaufen würde, landet die Fortschreibung bei rund 1,11. Das zweite Jahr legt dann noch fünf Euro je Kunde nach statt sechzehn. Die Reihe ist über alle Kanäle gemessen. Rechnet man nur den eigenen Shop, kommt fast dasselbe heraus: 1,368 · 1,294 · 1,200.
Und genau hier treffen sich die beiden Hälften dieser Vorlage. Auf der ersten Tranche von 120.000 Euro, die wir gleich zur Freigabe vorschlagen, macht der Unterschied zwischen dem heutigen Nachlauf und dem von 2022 31.000 bis 50.000 Euro aus, auf die volle Million 255.000 bis 410.000. Die Untergrenze rechnet damit, dass nur 62 Prozent der gekauften Käufe echte Erstkäufer sind, die Obergrenze mit allen.

Das ist die Antwort auf die Frage, ob wir Kunden kaufen dürfen, die sich beim ersten Kauf nicht rechnen. Heute nicht. Wenn die Bindung repariert ist, ja. Und die Reparatur kostet unter einem Arbeitstag.

Aber rechnet Meta sich seine Neukunden schön?

Die 28,23 Euro sind Metas eigene Zahl. Meta verbucht einen Kauf für sich, wenn der Käufer in den sieben Tagen davor eine Anzeige gesehen hat, auch wenn er ohnehin gekauft hätte. Die Gegenprobe kommt ohne Meta aus: steigt das Budget, müssen in JTL mehr Neukunden ankommen. Das Budget ist 2026 auf das mehr als Sechzigfache gestiegen. Die Shop-Neukunden sind um 32 Prozent gefallen.

2026Meta beanspruchtShop-Neukunden (JTL)VorjahresmonatVerhältnis
Januar422.4853.14579,0 %
März2932.1692.98472,7 %
Mai9841.6673.29550,6 %
Juli3711.5012.12870,5 %
Die letzte Spalte müsste mit steigendem Budget steigen. Sie tut es nicht.

Die These im Klartext: Meta verbucht Neukundenumsatz für sich, ist aber wahrscheinlich nicht der Grund dafür. Ein erheblicher Teil dieser Käufe wäre auch ohne Anzeige passiert.

Die Gegenposition, fairerweise: das Geschäft ist überall eingebrochen, Meta könnte den Fall gebremst haben. Rechnerisch ginge das nur, wenn der Rest ohne Meta um 79 Prozent in fünf Monaten gefallen wäre, und so schnell fällt in unseren Daten sonst nichts.

Entscheiden lässt sich das heute nicht. Wir wissen nur: außerhalb von Metas Dashboard gibt es für die 28,23 Euro keinen Beleg.

Deshalb ist die erste Stufe kein Neukundenkauf, sondern der Kauf einer Messung. Bei 40.000 Euro im Monat beansprucht Meta rund 1.417 Käufe für sich. Käufe, nicht Neukunden, und genau darin liegt der Streit. Wären es lauter zusätzliche Erstkäufer, müsste JTL statt der bisherigen 1.823 Shop-Neukunden je Monat rund 3.240 zeigen. Sind es nur 62 Prozent, 2.701. Die 62 Prozent sind keine Messung, sondern die Schwelle: so hoch müsste der Anteil echter Erstkäufer sein, damit sich 45 Euro je Kauf gerade noch rechnen. Die Schwelle, die wir setzen, ist 2.415, also die Basislinie von 1.823 plus das Anderthalbfache der normalen Monatsschwankung von 395. Wird sie zweimal nicht erreicht, fließt kein weiteres Geld.

Zwei Sachen müssen wir heute festlegen, sonst streiten wir im November.

Welche Lesart gilt. Gegen die 3.240 verlangt die Schwelle 42 Prozent Inkrementalität, gegen die 2.701 sind es 67. Das ist der Unterschied zwischen freigegeben und gestoppt.

Wogegen gemessen wird. Die 2.415 sind ein fester Pegel gegen eine Reihe, die fällt und die Saison hat: die 1.823 sind der Schnitt Januar bis Juli, die letzten vier Monate lagen alle darunter. Läuft Stufe 1 im Herbst, liegen die Monate ohnehin tiefer, dann kann Meta liefern und die Schwelle wird trotzdem gerissen. Der Testmonat gehört heute benannt.

5 · Der Beschluss

1 · Die vier Retention-Reparaturen laufen ab heute. Zusammen unter einem Arbeitstag, ohne Kapitaleinsatz. Ob sie den Nachlauf-Faktor tatsächlich heben, ist unsere Hypothese, nicht unser Befund, und genau deshalb laufen sie mit Kontrollgruppe. Belegt ist nur, wie groß der Faktor ist: er entscheidet über 255.000 bis 410.000 Euro auf die volle Million.

2 · Freigabe von 120.000 Euro für Stufe 1, ausdrücklich als Kauf einer Messung. Das Gate ist nicht Metas Dashboard, sondern die JTL-Neukundenzahl. Zielkorridor 30 Euro je Kauf, über 35 keine Erhöhung, über 45 Stopp. Entschieden wird nach 40.000 Euro Ausgaben, nicht nach Kalender.

3 · Vier Vorarbeiten bekommen heute einen Namen und ein Datum. Ohne das ist die Reihenfolge nur eine Absichtserklärung.

Heute

Die Tag-15-Mail abschalten

22.184 Empfänger, 992 Euro Umsatz, 521 Abmeldungen. Fünf Minuten Arbeit, kein Risiko.

Heute

Klären, warum Winback und Warenkorb-Flows nichts senden

Zehn Minuten in Klaviyo, dann ein Ticket an die Shop-Entwicklung.

Diese Woche

Replenishment scharf schalten

Fertig gebaut, steht seit Juni auf draft. Mit einer Kontrollgruppe von 10 Prozent, sonst ist die Wirkung hinterher nicht belegbar.

Zwei Wochen

Die Tag-1-Mail neu schreiben

69 Prozent öffnen sie. Statt einem Verzeichnis mit siebzehn Links: wie wende ich an, was ich gerade gekauft habe?

VorarbeitWarum sie eine Kernzahl verschiebtWer
Vollkosten je BestellungOhne Versand, Zahlung, Retouren und Personal kennen wir den echten Wert eines Neukunden nichtzu benennen
Einkaufspreise PEA und MethylenblauFehlen sie, misst der Deckungsbeitrag zum Teil unsere Stammdatenpflege statt das Geschäftzu benennen
Meta-Bestellungen in JTL wiederfindbar machenSolange das fehlt, ist jede gekaufte Kohorte für die Auswertung verlorenzu benennen
Was ist im Juni 2025 ausgelaufen?In diesem einen Monat fehlen 37.017 Sitzungen, auch ohne Affiliate gerechnet, und niemand weiß warum. Der Knick ist im Traffic-Bild im Ausklapper oben zu sehenzu benennen
Google-Shopping-Feed prüfen
eine Stunde
Der Kanal hatte im März 2026 vier Sitzungen. Geld ist wenig dahinter, rund 4.000 € im Jahr, aber es ist in einer Stunde geklärtzu benennen
Creative-Produktion, Budget und DurchsatzzielDer Preis je Kauf schwankt bei gleichem Budget um den Faktor 2,4, getrieben vom Bildzu benennen
Was wir nicht wissen, und was schiefgehen kann

Vier Hypothesen, die wir nicht belegen können.

Die Mails sind die UrsacheDann ist es in Tagen reparabel, nicht in Quartalen
Die Zielgruppe ist eine andere geworden, seit Marktplätze wachsenDann hilft keine Mail, dann muss der Einstieg anders aussehen
Die Kunden kaufen weiter, nur bei AmazonNicht messbar, Marktplatzadressen sind pseudonymisiert. Dann kaufen wir mit Werbung Marge statt Menge
Set-Angebote bremsen den Wiederkauf, weil sie den Jahresbedarf liefernDann kostet unser eigenes Merchandising Bindung

Und die Szenarien für Stufe 1.

SzenarioPreis je KaufRückfluss, alle Käufe neubei 62 % Erstkäufern
gut22 €+176.300 €+63.700 €
erwartet28 €+95.400 €+13.500 €
schlecht35 €+43.000 €−19.000 €
Abbruch45 €+6.800 €−41.400 €

In den Szenarien wandert nicht nur der Preis je Kauf, sondern auch der Nachlauf-Faktor mit: gut rechnet mit 1,20, erwartet mit 1,11, schlecht und Abbruch mit 1,05. Der gute Fall unterstellt also zusätzlich, dass der Bindungsverfall aufhört.

Der reale Verlust der ersten Stufe ist nicht das Geld, sondern die Zeit, nämlich 90 Tage. Nicht zu starten kostet sicher. Zu starten kostet nur mit einer Wahrscheinlichkeit.

Zwei Zahlen fehlen in dieser Vorlage. Der Kapitaldienst: wir zahlen Zinsen auf die Million, unabhängig davon, ob wir sie einsetzen. Bei acht Prozent wären das 80.000 Euro im Jahr, also mehr als der gesamte Mail-Hebel. Und der Rest der Million: die Rampe verplant 430.000 Euro über sieben Monate, für die restlichen 570.000 gibt es bewusst noch keinen Plan.

Quellen, Methodik und was diese Analyse nicht kann

JTL Wawi, read-only, alle Bestellungen seit 2018: Endkunden, bezahlt, nicht storniert. Der Erstkauf wird über die volle Historie bestimmt. Alle Jahreswerte nur für Kohorten, die 360 Tage alt sind, alle Zweijahreswerte nur für 720 Tage.

GA4, 43 Monate. Kaufquoten durchgängig selbst gerechnet als Käufe geteilt durch Sitzungen, weil GA4s eigene Metrik jedes Schlüsselereignis zählt und 96 Prozent meldet. Kanalzahlen aus dem rohen Medium, nicht aus der Kanalgruppe, weil die 2025 umklassifiziert wurde.

Google Search Console, 16 Monate ab April 2025. Klaviyo, read-only: alle 41 Flows, ihre Schritte und Texte. Meta, nur lesend, kalte Reichweite ist Metas eigenes Segment „prospecting".

Was diese Analyse nicht kann. Meta ist in GA4 praktisch unsichtbar, weil der Verkehr über Landingpage-Subdomains läuft. Es gibt also keine unabhängige Gegenprobe zum Preis je Kauf. Auf Marktplätzen ist Wiederkauf strukturell nicht messbar, weil die Adressen pseudonymisiert sind. Und der Deckungsbeitrag zählt nur Positionen mit gepflegtem Einkaufspreis; diese Abdeckung ist 2025 von 94,7 auf 76,7 Prozent gefallen, vor allem bei PEA und Methylenblau. Deshalb steht das Nachpflegen oben in der Vorarbeitenliste.

Qualitätssicherung. Acht Prüfrunden. Zuletzt sechs Prüfer, davon drei, die jede Zahl gegen die Rohdaten neu gerechnet haben. Jeder Prüferfund wurde vor der Übernahme selbst nachgerechnet, weil in einer früheren Runde zwei Prüferbehauptungen falsch waren.